Flyer "Mehr Zukunft"


Flyer "Mehr Zukunft!" (2013)
Wie sieht unsere Welt heute aus?

Banken handeln mit riesigen Mengen von Wertpapieren. Wenn ihre Geschäfte misslingen, steht der Bürger dafür gerade. Banken streben fünfundzwanzig Prozent Eigenkapitalrendite an, während der Bürger zwei Prozent Zinsen auf seine Spareinlagen erhält. Großunternehmen haben mittlerweile eine solche globale Marktmacht gewonnen, dass sie nicht nur die Preise, sondern auch die Wirtschaftsgesetze beeinflussen können. Sie haben oft eine Monopolstellung. Das geht zu Lasten des allgemeinen Wohlstands und erhöht die Einnahmen der wenigen Vorstände und Eigentümer dieser Firmen. Warum tragen wir Bürger das Gewinnstreben einer Minderheit von Personen und Institutionen?

Das reichste Prozent der Deutschen besitzt siebzig Prozent aller Aktien- und annähernd zweieinhalb Billionen Euro an Geldvermögen. Ist das ein Problem? Ja, denn während der Bürger sein verdientes Geld weitgehend wieder ausgibt, führen die großen Vermögen nicht zu Einkäufen, die zu Wirtschaftswachstum, mehr Arbeit, höheren Löhnen und Fortschritt beitragen würden. Abgesehen davon, dass einem „Reichen“ der Kauf des fünften Autos einen geringeren Zusatznutzen bringt, wird das Geld ab einem gewissen Vermögen nicht mehr überwiegend in Käufe investiert, sondern in „Investments“. Diese sollen es weiter wachsen lassen. Die meisten dieser Investments stellen keine langfristigen Aktienkäufe dar, sondern werden durch Finanzinstitute verwaltet, die auf einem riesigen Markt kurzfristige Geschäfte bis hin zum Sekundenhandel tätigen. Das heißt, es handelt sich nicht um Investitionen beispielsweise in Forschung und Entwicklung, die einen echten Fortschritt und steigenden Wohlstand bewirken würden, sondern um Spekulationsgeschäfte. Erkennbar ist dies an den seit ca. sechzig Jahren steigenden Kursen aller Aktienindizes. Es handelt sich um eine Spekulationsblase, die sich immer weiter ausdehnt, solange ihr Geld zufließt. Einer der Zuflüsse ist die aktuell für viele spürbare Umverteilung von Arm nach Reich. Würde man die zweieinhalb Billionen Euro an Geldvermögen gleichmäßig verteilen, hätte jeder Bürger plötzlich dreißigtausend Euro zur Verfügung. Was würde das für einen Konsumrausch mit den entsprechenden positiven Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung auslösen! Man vergleiche dies mit dem Boom in der Autoindustrie nach der Wende. Und hier wurden nur die Geldvermögen betrachtet, die Wertpapiervermögen dürften deutlich größer sein.

Wenn globale Konzerne unsozial oder unmenschlich handeln, um Gewinn zu erzielen, geht das so lange weiter, bis sich merklicher Unmut in der Bevölkerung regt. Kinderarbeit in Bangladesch wird erst dann vermieden, wenn sie dem Ansehen der Firma schadet. Und jeder Konzern nutzt auf seine Art alle Möglichkeiten, solange die Missstände nicht an die Öffentlichkeit dringen. Hier fehlt ein grundsätzlicher Mechanismus, der Missstände gar nicht erst entstehen lässt (Umweltzerstörung, Ausbeutung von Menschen, Misshandlung von Tieren).

Die meisten Bürger spüren es: Während wir vor vierzig Jahren in einer sozialen Marktwirtschaft lebten und der Kapitalismus durch gesetzliche Regelungen gebändigt war, entwickeln wir uns seitdem zu einem autoritären Kapitalismus, dem kaum noch Grenzen gesetzt werden. Soziale Anliegen treten immer mehr in den Hintergrund. Dieses wirtschaftsfreundliche Denken fördert Gleichmacherei. Die Diskriminierung von Randgruppen wächst. Gleichzeitig werden die Menschen durch die gesellschaftliche Entwicklung immer individueller. Die Politikstile der Parteien unterscheiden sich kaum noch voneinander und tragen dieser zunehmenden Individualität nicht Rechnung. Das äußert sich in Stimmenverlusten der großen Volksparteien. Dadurch steigt in Europa die Gefahr eines neuen Extremismus. Verhindert werden kann dies nur durch mehr persönliche Freiheit und toleranteres, freieres Denken in Wirtschaft und Politik sowie mehr Basisdemokratie.

Die „zivilisierten“ Länder unterstützen Konflikte in Entwicklungsländern, die häufig wirtschaftliche Gründe haben. Stehen ihre eigenen ökonomische Interessen nicht auf dem Spiel, so hält sich die Erste Welt aus Kriegen und Bürgerkriegen gerne vornehm heraus – beispielsweise in Ruanda. Kriege sind nicht unvermeidlich! Dasselbe gilt für Diktaturen: Sofern uns deren Beseitigung keinen Nutzen bringt, lassen unsere Staaten sie gewähren. Die Verbesserung der Welt bleibt am Bürger hängen, der für Entwicklungshilfe spendet, Fair-Trade-Produkte kauft oder eine Patenschaft übernimmt. Ebenso interessieren sich für Menschenrechtsverletzungen eher die Bürger als die Politiker. Der Bürger kann - ohne Konsequenzen befürchten zu müssen - für oder gegen etwas sein, während die „Staatslenker“ eine Vielzahl von politischen und wirtschaftlichen Interessen berücksichtigen, die eine echte Lösung verhindern. Sollte das so sein – oder erwarten wir von unseren „Anführern“ etwas anderes?

Ein weiteres Problem: der Hunger in der Welt. Wir tragen mit Kostenoptimierung, Rohstoffabbau, Monokulturen und Einfuhrzöllen dazu bei, dass die Armut in der dritten Welt zunimmt. Seit 1945 sind weltweit sechshundert Millionen Menschen verhungert. Auch Armut ist nicht unvermeidlich. Oder meinen wir, dass halb Afrika nur deshalb hungert, weil dort keine Leistungsträger wie wir leben?

Der Umweltverschmutzung und Ausbeutung unseres Planeten ist bisher kaum wirksam Einhalt geboten worden, obwohl die Anfänge der Umweltbewegung fünfzig Jahre zurückliegen. Woran liegt es, dass das, was fast alle wollen, nicht schneller umgesetzt wird?

Sind es verzeihliche „Macken“, wenn Regierungsämter an Freunde vergeben werden? Ist Korruption unvermeidlich? Brauchen wir mafiöse Strukturen? Wollen wir von Politikern belogen werden? Wem nützen solche Zustände, und wer will sie nicht? Ist es nicht die Mehrheit, die ihre Kinder täglich ermahnt, nicht zu lügen und sich Vorteile zu erschleichen? Und trotzdem scheinen wir, die Mehrheit, zu glauben, es ginge nicht anders. Erst wenn wir aufhören dies zu glauben, ändert sich etwas!

Jede kleine Handlung, jeder Einkauf, trägt zu Recht oder Unrecht bei. Wenn man den billigsten Kaffee kauft, trägt auch dies dazu bei, dass der Lohn aller an der Herstellung Beteiligten „optimiert“ wird. Und eine Vielzahl solcher winziger Handlungen führt zu dem Zustand, in dem wir leben. Es sind nicht die Politiker, die Geschäftsführer, die Diktatoren, die Aktienbesitzer oder die Gesetze, die das verursachen, sondern wir alle. Autohersteller können keine umweltfreundlicheren Fahrzeuge bauen, wenn die Kunden den Mehrpreis nicht bezahlen wollen oder Geländewagen nachfragen. Der Staat darf die entsprechenden Gesetze nicht schlagartig verändern, um die Arbeitsplätze in Deutschland nicht zu gefährden, und der Bürger kann die Autohersteller nicht dazu zwingen, Fahrzeuge zu bauen, die nur Verluste einbringen. Es hat keinen Sinn, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen. Alle zusammen können wir etwas verändern. Klar ist, dass das mit Einschnitten auf allen Seiten verbunden sein wird. Aber wir können uns nicht alles nehmen!

Fazit: Die Probleme der Welt sind Machtgier, Geldgier, Korruption, Gewalt, Egoismus. 

Bisher blieb alles so, wie es war, weil alle die etwas zu verlieren hatten, weitermachen wollten wie bisher. Die, die viel zu verlieren haben, sind oft mit Geld und Macht ausgestattet. So stabilisiert sich das System von selbst. Viele sind es leid, das mit anzusehen. Wir müssen etwas dagegen tun, eine Revolution kommt nicht von selbst!

Wo soll die Veränderung hinführen?

Aktuell gibt es viele Bewegungen auf der Welt, die mit den bestehenden Zuständen und Systemen unzufrieden sind. Das Wort „Weltrevolution“ hört man öfter. Das zeigt, dass viele übergreifend denken und nicht mehr nur für sich oder für ihr Land etwas Besseres fordern, sondern die gesamte Menschheit als ein Volk wahrnehmen. Beispiele sind die Occupy-Bewegung, der Arabische Frühling, Anonymous, die zahlreichen Campaigning-Portale und Online-Petitionen.

Es gibt Ideen. Eine neue Form der Demokratie ist erstrebenswert, bei der nicht mehr die Mehrheit der Minderheit ihren Willen diktiert. Stattdessen kann man sich um einen Konsens bemühen, indem man durch Änderungen des ursprünglich zur Diskussion stehenden Entwurfs zu einem Beschluss gelangt, der von allen getragen wird. Das erfordert einen höheren Aufwand, führt aber auch zu einem besseren Ergebnis. Beobachten kann man das bei den Diskussionen der Occupy-Bewegung.

Unsere Form von Demokratie ist noch stark von Machtstrukturen geprägt. Es wird versucht, zu überzeugen und Mehrheiten zu generieren. Die Verhandlungen sind oft von einem Gegeneinander geprägt. Unser Weg kann uns zu mehr Miteinander führen, zur Nutzung der Schwarmintelligenz, der optimalen Nutzung des Wissens und der Fähigkeiten aller – und zu einem offenen und wohlwollenden Umgang miteinander und mit unserer Umwelt. Wenn uns in jeder Situation die Erfahrungen aller Menschen zur Verfügung stehen, und wir diese nutzen, können wir wesentlich Größeres erreichen als bisher.

Dazu gehört geistige, finanzielle und politische Freiheit, ohne Grenzen und ethnische Schranken.

Ziel ist kein lokales Einzelereignis, sondern eine Weltrevolution, Einheit! Das Ziel ist nicht die Anomie. Was wir tun müssen, ist Widerstand leisten! Ziel ist eine friedliche Revolution!

Bisher gibt es von keiner Seite konkrete Pläne für eine solche Umstrukturierung. Das ist gut so, denn wir brauchen keinen charismatischen Anführer, der uns sagt wie alles besser wird – das könnte leicht in eine neue Diktatur führen. Wir Menschen sind uns vor allem in unseren Schwächen ähnlich. Daher müssen wir dafür sorgen, dass der Aufbau des kommenden Systems Schwächen wie Gier und Machtstreben Rechnung trägt und Missbrauch systemimmanent verhindert wird.

Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges verlief das Leben für viele Europäer ruhig, und man konnte sich Wohlstand aufbauen. Das ändert sich jetzt wieder. Wir stehen am Beginn großer Umbrüche. Es ist wichtig, diesmal vorausschauender zu sein als vor hundert Jahren. Die Fehler der Vergangenheit - die Flucht in Gewalt und Extremismus – führten zu zwei Weltkriegen.
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